Musizieren in Wohnräumen ist grundsätzlich erlaubt und von den Nachbarn in gewissen Grenzen hinzunehmen. Der BGH sieht zwei bis drei Stunden täglich als angemessen an.

Ein Bewohner eines Reihenhauses ist professioneller Musiker und spielt regelmäßig Trompete. Zudem gibt er zwei Stunden in der Woche Unterricht. Die Nachbarn verlangten jedoch, dass das Trompetespielen in ihrem Reihenhaus nicht mehr hörbar ist. Das Landgericht urteilte, dass das Musizieren in bestimmten Räumen des Hauses zu unterlassen sei. Zudem untersagte es dem Musiker, im Haus Musikunterricht zu geben.

Nun lag dem BGH der Fall vor. Dieser hob das Urteil auf und verwies den Rechtsstreit an das Landgericht zurück, da das Landgericht einen zu strengen Maßstab angelegt habe.

Zwar steht den Klägern ein Unterlassunganspruch zu, jeoch nicht, wenn das Musizieren nur zu unwesentlichen Beeinträchtigungen führt. Hier hat nach Ansicht des BGH das Landgericht zu streng geurteilt. Es soll einen angemessen Ausgleich zwischen der Möglichkeit zu Ruhe und Entspannung einerseits sowie andererseits der Möglichkeit üblicher Freizeitbeschäftigungen und damit der Entfaltung der Persönlichkeit geben.

Als grober Richtwert könnten zwei bis drei Stunden an Werktagen und ein bis zwei Stunden an Sonn- und Feiertagen betrachtet werden, jeweils außerhalb üblicher Mittagsruhezeiten und in der Nacht. Das Landgericht muss nun erneut entscheiden, wann der Beklagte seine Trompete spielen darf.

BGH, Urteil vom 26.10.2018, V ZR 154/17


Michael Büttner, Sachverständiger für Immobilienbewertung